Wie groß ist die CO2-Emission, die beim Datentransfer entsteht?

Die renommierte Fachpublikation Stanford Magazine, gestützt auf eine Studie von EnerNOC Utility Solutions, ermittelte 2017, dass für den Datentransfer von 1 Gigabyte (GB) über das Internet zwischen 3 und 7 Kilowattstunden (kWh) benötigt werden. Aus dem Mittelwert (5 kWh pro 1 GB) ergeben sich pro Megabyte (MB) etwa 5 Wattstunden (Wh). Nehmen wir im Sinne der technologischen Weiterentwicklung an, dass sich der Energiebedarf seit der Studie halbiert hat, so wären das 2,5 Wh pro 1 MB. Und was ist das in CO2?

1 MB Daten = 1 g CO2

2019 lag die CO2-Emission in Deutschland bei 401 Gramm (g) pro kWh (0,401 g pro Wh). 1 MB Daten über das Internet von einem Gerät zu einem anderen zu schicken, verursacht daher mindestens 1 g CO2. Das klingt im ersten Moment gar nicht so schlimm und viel. Doch schon eine E-Mail ohne Anhang an eine/n Empfänger*in zu verschicken, verursacht mindestens 1 g CO2. Täglich werden weltweit aber über 300 Milliarden E-Mails verschickt. Das entspricht mindestens 300.000 Tonnen CO2. Um diese Menge an CO2-Emission aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu binden, braucht es etwa 24.000 gesunde Buchen. Doch das Problem hört bei E-Mails nicht auf. Auch Websites bewegen mit jedem Aufruf Daten. Besonders große Mengen an CO2 werden bei Videoübertagungen freigesetzt (kleine Faustformel: 500 g CO2 pro 60 Minuten).

Unser Auftrag als Nutzer*innen und Unternehmen

Wollen wir CO2 in digitalisierten Sektoren sparen, müssen digitale Services möglichst stromsparend eingesetzt werden. Da der Stromverbrauch maßgeblich von der Größe und Menge der Daten abhängt, bleiben zwei Optionen:

  1. Unternehmen entwerfen und erstellen Programme, Tools und Features so, dass sie selbst wenig Energie und nur die nötigsten Komponenten von Übertragungs-, Verarbeitungs- und Endgeräten benötigen
  2. Nutzer*innen achten selbst bewusst darauf, ihre Datenübertragung stets so klein wie möglich zu halten

Es kann also jede/r mitmachen, bis wir uns eines Tages weltweit zu 100% mit Strom aus erneuerbaren Ressourcen versorgen. Und das braucht ganz sicher noch sehr lange.

Hintergrund zu diesem Artikel:
Stanford Magazine | Carbon and the Cloud
Umweltbundesamt | Bilanz 2019: CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom sinken weiter
The Radicati Group via Statista | Anzahl der täglich versendeten und empfangenen E-Mails weltweit
co2online.de | Wie viele Bäume braucht es, um eine Tonne CO2 zu binden?